Mittwoch, 29. Juli: Gellerts geistliche Oden und Lieder Nr. 24 – Trost eines schwermütigen Christen

Wir sehen uns wieder im Gottesdienst und genießen das, aber das Singen fehlt uns. Daher soll es in diesem Sommer auf unserer Website jede Woche ein geistliches Lied geben. Die Sängerin Juliane Schubert erfreut und entschädigt uns mit geistlichen Oden und Liedern von Johann Fürchtegott Gellert (1715–1769), vertont durch Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dem berühmtesten der Söhne Johann Sebastian Bachs.

Mit der Vertonung von Gellerts Oden 1758 wurde Carl Philipp zu einem der angesehensten Liedkomponisten Deutschlands, sicher auch weil Gellert zu den beliebtesten Dichtern in Deutschland zählte. Der Aufklärer Gellert verbindet in seiner Poesie geschickt pietistische Frömmigkeit und moralische Belehrung mit Humor und hatte damit in seiner Zeit großen Erfolg. Fünf Auflagen der Vertonungen Carl Philipps erschienen allein zu dessen Lebzeiten.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Hören
Ihr Andreas Hetze

24. Trost eines schwermütigen Christen

Du klagst, o Christ, in schweren Leiden
und seufzest, daß der Geist der Freuden
Von dir gewichen ist.
Du klagst und rufst: Herr, wie so lange?
Und Gott verzeucht, und dir wird bange,
Daß du von Gott verlassen bist.

Mühselig, sprichst du, und beladen,
Hör ich den Trost vom Wort der Gnaden
Und ich empfind ihn nicht,
Bin abgeneigt, vor Gott zu treten,
Ich bet und kann nicht gläubig beten;
Ich denke Gott, doch ohne Licht.

Oft fühl ich Zweifel, die mich quälen,
Heul oft vor Unruh meiner Seelen,
Und meine Hülf ist fern.
Ich suche Ruh, die ich nicht finde;
In meinem Herzen wohnt nur Sünde,
Nur Unmut, keine Furcht des Herrn.

24a. Trost eines schwermütigen Christen

Zag nicht, o Christ, denn deine Schmerzen
Sind sich’re Zeugen beß’rer Herzen,
Als dir das deine scheint.
Wie könntest du dich so betrüben,
Dass dir die Kraft fehlt, Gott zu lieben,
Wär nicht dein Herz mit ihm vereint?

Vertrau auf Gott. Er wohnt bei denen,
Die sich nach seiner Hülfe sehnen;
Er kennt und will dein Glück.
Er höret deines Weinens Stimme;
Verbirgt er gleich in seinem Grimme
Sich einen kleinen Augenblick.

Fahr fort zu beten und zu wachen.
Gott ist noch mächtig in den Schwachen,
Ist Güte für und für.
Laß dir an seiner Gnade g’nügen.
Sein Wort ist wahr und kann nicht trügen:
Ich stärke dich, ich helfe dir!

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