Mittwoch, 22. Juli: Zwölf geistliche Oden und Lieder Nr. 11 – Morgengesang

Wir sehen uns wieder im Gottesdienst und genießen das, aber das Singen fehlt uns. Daher soll es in diesem Sommer auf unserer Website jede Woche ein geistliches Lied geben. Die Sängerin Juliane Schubert erfreut und entschädigt uns mit geistlichen Oden und Liedern von Johann Fürchtegott Gellert (1715–1769), vertont durch Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), dem berühmtesten der Söhne Johann Sebastian Bachs.

Mit der Vertonung von Gellerts Oden 1758 wurde Carl Philipp zu einem der angesehensten Liedkomponisten Deutschlands, sicher auch weil Gellert zu den beliebtesten Dichtern in Deutschland zählte. Der Aufklärer Gellert verbindet in seiner Poesie geschickt pietistische Frömmigkeit und moralische Belehrung mit Humor und hatte damit in seiner Zeit großen Erfolg. Fünf Auflagen der Vertonungen Carl Philipps erschienen allein zu dessen Lebzeiten.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Hören
Ihr Andreas Hetze

11. Morgengesang

Der Junge Tag, zurückgekommen
Mit neugeschaffnem Angesicht,
Hat halb die Freundlichkeit des Gottes angenommen,
Der ihn bekleidet mit Licht!

Du, Seele, bist nicht fortgerissen
Aus mir, durch irgendeine Macht;
O dem, auf dessen Wort die Himmel horchen müssen,
Sei neues Opfer gebracht!

Du denkst in mir, du kannst dich schwingen,
Dem unsichtbaren Winde gleich,
In einem Augenblick dahin, wo Engel singen,
Und singst mit ihnen zugleich!

Du übersteigest Mond und Sterne,
Fliehst schnell zurück, du schweifst umher
Wie Gottes Blitz und schwebst in ungemeßner Ferne
Hoch über Hügel und Meer!

Du drängest dich durch dicke Mauren,
Du achtest feste Schlösser nichts;
Ich fühl es, daß du strebst, der Gottheit gleich zu dauren,
Zu trinken Ströme des Lichts.

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