Was macht man, wenn man von einem übermächtigen Feind belagert wird?
Wenn man sich sicher ist, dass man keine Chance mehr hat? Aufgeben? Sich
wehren bis zum Untergang?
Die Bibel erzählt von mehreren solchen Situationen, in denen Gott
dann doch – obwohl sich das niemand vorstellen konnte – den Kleinen oder
die Schwache gewinnen lässt. Am bekanntesten ist wohl die Geschichte
von David, der mit seiner Steinschleuder den großen, hochgerüsteten
Goliath besiegt. Aber es gibt in der Bibel auch eine Frau, die mit
Schlauheit und Raffinesse ihre Stadt rettet: Judith.
Nebukadnezar will die ganze Welt beherrschen. Er hat ein mächtiges
Heer, das von dem berühmten Feldherren Nebukadnezar geleitet wird. Alle
Völker, durch deren Gebiet er kommt, unterwerfen sich aus Angst sofort.
Erst kurz vor Jerusalem begegnet er Widerstand, das kleine Volk der
Juden kämpft einen verzweifelten Kampf. Nebukadnezar belagert die Stadt
Betulia, die auf dem Weg nach Jerusalem liegt. Aber es ist keine
Unterwerfung der Juden zu erkennen, Gerüchte schwirren umher, dass
dieses Volk nur dann zu besiegen sei, wenn sie ihrem Gott untreu werden.
In der Stadt aber wird die Verzweiflung immer größer. Das Essen wird
knapp, alle hungern. Sie verlangen, die Stadt solle aufgeben, bevor sie
alle umkommen. Und die Stadtoberen denken auch schon ernsthaft drüber
nach. Nur eine schöne und kluge Witwe, Judith, hat eine Idee. Und sie
ist mutig genug diese Idee auch auszuprobieren.
Sie putzt sich heraus und zieht ihre besten Kleider an. Dann wagt
sie sich mit ihrer Magd in das Lager der Armee des Holofernes. Sie
erzählt ihm, sie könne ihm helfen. Die Juden seien doch immer nur dann
besiegbar, wenn sie ihren Gott beleidigen, und sie könne ihm sagen, wann
sie das tun. Das wäre dann seine Chance. Holofernes ist beeindruckt. Er
ist sehr angetan von dem Vorschlag, auf diese Weise endlich diese
widerspenstige Stadt zu besiegen. Und er ist sehr angetan von Judith.
Diese schöne und schlaue Frau beeindruckt ihn sehr. Und er kann sich gut
vorstellen, was er mit ihr noch so machen möchte, außer den Sieg
vorzubereiten. Er gibt ein großes Fest. Judith unterhält ihn und erzählt
und macht Witze und füllt immer wieder sein Glas voll. Am Ende ist
Holofernes völlig betrunken. Und als er mit Judith alleine bleibt, da
schläft er sofort ein. Judith nimmt sein Schwert, schlägt ihm den Kopf
ab und verschwindet ungesehen wieder in der Stadt – zusammen mit ihrer
Dienerin und dem abgeschlagenen Kopf.
Am nächsten Morgen wagen die Juden einen Angriff auf das Lager ihrer
Feinde. Und die sind völlig durcheinander. Ihr Anführer rührt sich
nicht, sie wissen nicht, was los ist. Bis sie sehen, was die Juden bei
sich haben – den abgeschlagenen Kopf des Holofernes! Jetzt sind sie noch
verwirrter, haben Angst und fliehen nach allen Seiten. Betulia und
damit auch Jerusalem sind gerettet!