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Liebe Leserinnen und Leser,

Schon wieder ein Jubiläum!? Vor zwei Jahren haben wir „650 Jahre Rixdorf“ gefeiert und nun sollen wir der Gründung von Böhmisch-Rixdorf vor 275 Jahren gedenken? Sich der Geschichte erinnern, ist immer nützlich, auch wenn es berechtigte Zweifel an der Behauptung gibt, dass man „aus der Geschichte lernen“ kann. Geschichte wiederholt sich nicht. Doch es gibt Analogien, zum Beispiel was die Fragen von Migration und Integration betrifft. Die brandenburgisch-preußischen Herrscher konnten die Aufnahme und Ansiedelung der Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, aus der Pfalz, aus dem Salzburgischen und aus Böhmen anordnen; ob die Bevölkerung murrte, spielte dabei keine Rolle. Heute kann Zuwanderung nur mittels eines breiten gesellschaftlichen Konsenses gewährleistet werden. Dazu braucht es immer wieder die öffentliche Diskussion, in der den Fakten Rechnung getragen werden muss und nichts beschönigt werden darf; in der es aber auch darum gehen muss, die ethischen Grundlagen unseres Gemeinwesens herauszustellen und also die Verpflichtungen, die sich aus der Geltung der Allgemeinen Menschenrechte für den Umgang mit Verfolgten und Bedrängten und für das friedliche Zusammenleben ergeben. Dazu zählt auch, über die Anstrengungen zu sprechen, die den Zuwanderern wie den Hiesigen abverlangt werden müssen, damit Integration gelingt.
Wenn wir des 275. Jahrestages der Gründung von Böhmisch-Rixdorf gedenken, werden wir deshalb die Fragen von Migration und Integration in den Blick nehmen müssen und dabei auch nach der Aufgabe der Religionen fragen müssen, oder das Jubiläum wird zur bloßen Selbstbespiegelung, die Niemanden außerhalb des Böhmischen Dorfes interessieren wird. Die Steuerungsgruppe, die die Veranstaltungen vorbereitet und begleitet, hat deshalb ein Motto gewählt, das nach vorne weist: Glaubensfreiheit. Das Böhmische Dorf in Berlin: Ein Labor für Zukunft. Die Veranstaltungen werden im März und im Juni 2012 stattfinden.

Am 25. März 2012, dem Jahrestag, an dem die erste Gruppe der Gerlachsheimer Böhmen in Berlin ankam, werden die zwei noch existenten, aus böhmischer Zuwanderung entstandenen Gemeinden gemeinsam mit der Hugenottengemeinde in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt einen Fest-Gottesdienst feiern. Beginn ist 11 Uhr. Damit wollen wir deutlich machen, dass es in Berlin und Brandenburg eine lange Geschichte der Zuwanderung und der Aufnahme von Fremden gibt. Die Predigt wird Pfr. Joel Ruml, Synodalsenior der Ev. Kirche der Böhmischen Brüder aus Prag halten. Am 26. März 2012 wird dann der Senat von Berlin mit einem Festakt der Zuwanderung der Böhmen und der Partnerschaft zwischen Berlin und Prag gedenken. Zu beiden Veranstaltungen werden auch hochrangige politische Gäste aus Tschechien erwartet. Vom 15.–17. Juni 2012 wird es schließlich eine Vielzahl von Veranstaltungen im Böhmischen Dorf geben, über die wir Sie zeitnah informieren werden. Auch dieser Zeitpunkt ist bewusst gewählt, denn im Juni 1737 zogen die ersten böhmischen Familien in die für sie errichteten Häuser in Rixdorf ein.
Für heute grüße ich Sie mit dem Monatsspruch für den Monat Februar, aus I. Korinther 10,23–24, ein Wort des Apostel Paulus, das deutlich macht, wie groß die Freiheit ist, in die uns Gott ruft, und das uns zugleich an die Verantwortung erinnert, in der wir gegenüber allen Menschen stehen, ob sie Christen sind oder nicht. Was ihnen wie uns nützt und unserem Gemeinwesen insgesamt voranhilft, das sollen wir tun – fröhlich und gelassen. „Alles ist erlaubt – aber nicht alles nützt. Alles ist erlaubt – aber nicht alles baut auf. Denkt dabei bei nicht an euch selbst, sondern an die anderen“.
Ihr Pfr. Bernd Krebs

Ihr Pfarrer Bernd Krebs

 

 

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