Gruppen + Treffs
Rückblick: Unterwegskreis
Nachdem wir im vergangenen Jahr die Umgebung von Potsdam mit dem Fahrrad erkundet hatten, führte uns die diesjährige Radtour an die Elbe.
Mit dem Regionalzug fuhren wir nach Hämerten, einem kleinen Ort nördlich von Tangermünde an der Elbe mit seiner „verkehrten Kirche“ aus der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert „Verkehrt“, weil sich der Turm im Osten über dem Chorraum erhebt und von dessen quadratischem Grundriss in eine achteckige Form übergeht. Der Dachstuhl von 1191 gilt als eines der bedeutensten Zeugnisse mittelalterlicher Zimmermannskunst in Deutschland. Unter den teils barocken, teils mittelalterlichen Ausstattungsstücken ist am eindrücklichsten eine Grabplatte mit der Ritzzeichnung eines betenden Mädchens, der A. Bocholt, vom Anfang des 15. Jahrhunderts..
Nach einem kräftigen zweiten Frühstück im Freien führte unser Weg weiter in die alte Hansestadt Tangermünde mit ihren schönen Backsteinbauten, der Stephanskirche, in ihrer heutigen Gestalt aus dem 14. Jahrhundert, sowie des Rathauses aus der gleichen Zeit, einem der schönsten und besterhaltenen in Norddeutschland. Unvergesslich der Blick von der Burg über die Elbe, die wir auf der neuen Brücke überquerten um durch die zauberhafte Flusslandschaft nach Jerichow zu radeln. Schon vom Elbdeich aus erspähten wir die mächtigen Westtürme des ehemaligen Klosters,
den ältesten Backsteinbauten östlich der Elbe.
Bei dem Ortsnamen fragten wir uns sofort, ob es historisch gesehen eine Beziehung zu der biblischen Stadt Jericho gibt. Doch der Ort existierte lange schon vor Gründung des Klosters und der Stadt als eine slawische Siedlung mit Burgwall, genannt des Kühnen (jery) Schutzburg (chow).
Wie in vielen anderen Orten östlich der Elbe wurde der slawische Ortsname während der mittelalterlichen Ostsiedlung von den deutschen und flämischen Zuwanderern übernommen.
Während die mächtige romanische Kirche des ehemaligen Prämonstratenserstifts Jerichow bereits im 19. Jahrhundert unter der Leitung des ersten preußischen Landeskonservators Ferdinand von Quast wieder hergestellt wurde, konnten die Räume der Klausur erst seit den 80er Jahren des letzten Jahrhundert von der zweckentfremdeten Nutzung u. a. als Schnapsbrennerei schrittweise bis heute befreit werden. Von der mittelalterlichen Ausstattung ist außer den schönen romanischen Kapitellen in der Krypta und einigen Klausurgebäuden nur sehr wenig erhalten. Bemerkenswert ist eine Art mittelalterlicher Comic am nordöstlichen Mittelschiffpfeiler, nach Osten zu kommt aus den Menschenmund gute Rede, symbolisiert durch Blätter, nach Westen zu böse Rede, symbolisiert durch ein dämonenartiges Tier.
Nach ausgiebiger Mittagspause im eher improvisierten Café, aber mit sehr gutem Kuchen, im Klostergarten (mit mittelalterlichem Kräutergarten) setzten wir unser Tour fort und kamen nach Zerben, wo sich ein Rest des ehemaligen Schlosses derer von Plotho befindet. Das Schicksal der Elisabeth von Plotho, verheiratete von Ardenne, inspirierte Theodor Fontane zu seinem vielleicht bekanntesten Roman, Effi Briest. Leider konnten wir wegen der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr die sehenswerte Dokumentation einsehen. Die letzte Etappe war dann nur noch der Bahnhof in Güsen bei Genthin, von dem es mit dem Regionalexpress zurück nach Berlin ging. Ein erlebnisreicher Tag ging spät zu Ende und wir freuen uns auf den nächsten Ausflug und auf weitere Mitradlerinnen und Mitradler.
Gertraud Harmsen