Wiederbelegung des Gemeindegartens
Dumme rennen,
Weise warten,
Kluge gehen in den Garten.
Rabindranath Tagore (1861–1941)
Viele träumen von ihm, dem eigenen Garten, hinter dem Eigenheim oder
als Pachtland in einer Kleingartenkolonie, und nehmen lange Wege in
Kauf, um die grüne Oase zu erreichen.
Ein Garten, und gleich um die Ecke in der Richardstraße gelegen, viel
Raum zur Gestaltung, dass ist fast zu schön um wahr zu sein – das waren
meine Gedanken, als Frau Stückrath im Oktober 2005 in Motels Scheune von
ihrer Suche nach helfenden Händen sprach. Sofort konnten wir in der
Vorstellung schwelgen, das Gelände mit Malven (Stockrosen) in allen
Farben zu besiedeln, und so verbreitete sich mein Spitzname ‚Herr Malve‘
noch schneller als die Pflanzen.
Eine erste Besichtigung des Gartens zeigte dann aber sehr schnell, dass
überall Hindernisse im Weg lagen und vor allen Dingen die wichtigste
Grundlage eines ökologisch nachhaltig betreuten Gartens einzurichten
wäre, nämlich der KOMPOSTHAUFEN!
Die früheren Bewohner des Gemeindehauses hatten hierzu – positiv
formuliert – bereits durch Sammeln von Gartenabfällen und Nahrungsresten
eine gewisse Vorarbeit geleistet. Aber ein Komposthaufen benötigt
Ordnung für seine innere Reifung. Als bloße Anhäufung von Biomasse ist
seine Zersetzung zu langwierig und der Nutzen zu gering.
So gingen Frau Stückrath und ich an die Grünzeughaufen, die nun in
Schichten mit Erde und Kleinholz zur Belüftung vermischt im hinteren
rechten Gartenareal aufgesetzt wurden. Der dort geschaffene Hügel wurde
mit einer kleinen Trockenmauer der auf dem Gelände gefundenen
Natursteine eingefasst und mit Funkie, Gardenie und Bodendeckern
bepflanzt.
Die Kompostanlage entstand im Sommer des Jahres 2006, zeitgleich mit den
Umbauarbeiten im Gemeindehaus. So konnten wir die Bauschutt-container
benutzen, um die haufenweise gefundenen Scherben und Steine einer alten
Abfallgrube und die ebenfalls abgebrochenen Überreste einer ca. 4 qm
großen Betonplatte im Gartengelände zu entsorgen.
Der Herbst bescherte uns von den Pappeln des eigenen Gartens und
zusätzlich vom linken Nachbarn einen Blätterregen, der nicht aufhören
wollte. Tagelang stand Blätterfegen und Sammeln auf dem Programm.
Nicht aufgehört hatte auch mein Klagen über die Pappeln und den
Ahornbaum, die im hinteren Bereich des Gartens einer Neuordnung im Wege
und laut Nachbarrecht ebenfalls zu nahe an der Grundstücksgrenze
standen. Im Januar 2007 erfolgte dann die Fällung dieser drei Bäume –
zwei Pappeln und ein Ahorn.
Länger an ihrem Platz im Garten sollen zukünftig ein Nussbaum stehen,
der im März auf dem Grundstück als größerer Baum versetzt wurde, und ein
jetzt noch kleiner Apfelbaum, der am 22. April 2007 im Rahmen einer
Reportage für den rbb von Frau Stückrath unter Mithilfe zahlreicher Gäste, auch aus der Schweiz, gepflanzt wurde.
Alle diese Aktionen wurden wesentlich erleichtert durch die neue
Gartenbewässerung neben dem Gemeindehaus. So wurde im Rahmen der
Umbauarbeiten des Hauses ein neuer Spreng-hahn für die Bewässerung
geplant, und in einer ersten Ausbaustufe nahe am Haus in einer
vorhandenen Betongrube ein Standrohr mit zwei Auslaufventilen (jeweils
zur Sicherung abschließbar) installiert.
In einer zweiten Ausbaustufe ist geplant, eine bereits bis zur Grube
angelegte zweite Spreng-leitung in den hinteren zu verlängern, und dort
eine weitere Grube mit einem Standrohr zu schaffen, was den Vorteil
hätte, nur kurze Schläuche zu benötigen und Wege zu sparen.
Im Frühjahr 2007 wurde der Garten auch für die Vogelwelt attraktiver
gestaltet. Insgesamt fünf Nistkästen – an den Pappeln und der Kastanie
aufgehangen – sollten sämtlichen Vogelpaaren der Umgebung nur die Wahl
lassen, bei uns zu brüten.
Tatsächlich wurde diese Erwartung nicht ganz erfüllt, aber immerhin war
ein Meisenpaar in das Kastanienhaus eingezogen und an einer Pappel
brütete der Gartenrotschwanz.
Sicherlich werden sich die Besucher an den großen Holzberg erinnern, der
sich im Laufe der Zeit ansammelte, vor allem nach der Baumfällung.
Dieser leider nicht als Osterfeuer zu nutzende Baum- und Strauchschnitt
harrt nun in handlichen Paketen verschnürt der Abholung. Der
Stamm-schnitt trocknet auf einem Holzstapel hinter dem Schuppen
Was ist in diesem Jahr noch zu tun? Keine Frage – ein Garten erfordert
ständig körperlichen Einsatz, auch deswegen ist Gartenarbeit so gesund.
Aktuell beginnt die Bepflanzung von ca. 15 qm Beetfläche an der linken,
besonders sonnigen Gartenseite.
Diesem Standort entsprechend soll dort im nächsten Jahr das sommerliche
Gartenbeet mit gelber und bunter Farbenpracht das Auge erfreuen –
Sonnenblumen, die ausdauernde Topinambur, Sonnenhüte usw. Auch Zinnia,
Verbena, Kokardenblume und viele Sorten vom Phlox.
Damit es nicht bei der Planung bleibt, sind alle Gartenfreunde und
-besitzer aufgerufen, durch Teilung ihrer Stauden und Spenden für eine
weitere Verbreitung ihrer Pflanzen und neue Blütenpracht auch in unserem
Gartenland zu sorgen!
Rainer Thier (2007)




