Wachsende Besorgnis
In einem Interview zur Lage der Christen in Ägypten bekundete der Koptische Bischof Anba Damian seine Besorgnis. Wir dokumentieren das Interview mit Gregor Krumpholz von der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA). Trotz der Demokratisierung Ägyptens sieht der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Damian die Lage der christlichen Minderheit mit Sorge. Er forderte eine stärkere Beteiligung der Christen an den Reformen in Ägypten. Als Oberhaupt der 6.000 Kopten in Deutschland steht Damian nach eigener Aussage in engem Kontakt zu seinem Heimatland.
KNA: Herr Bischof, in welcher Lage sind die koptischen
Christen jetzt nach der friedlichen Revolution in Ägypten?
Damian: Nach den Angriffen auf sie in den vergangenen Wochen
sind die Ängste und Sorgen gewachsen. Ob das eine Folge der chaotischen
Zustände, geplante Aktionen der Islamisten oder Übergriffe der Armee waren, ist
eine offene Frage. Wir hoffen, dass sich die Situation ändert, so dass die
Hoffnung siegt und die Kopten als geschützte Bürger in ihrer Heimat in Würde
und in Freiheit leben können.
Was steckt hinter den Gewalttaten?
Sie sind ein Ergebnis von Ideologie und Machtmissbrauch. Bislang hatten sie drei Ursachen: das alte Regime, religiöse Einstellungen und gesellschaftliche Probleme. Wir dachten, dass sich die Lage durch den Regierungswechsel bessern könnte. Aber im Moment wirken die
religiösen und gesellschaftlichen Faktoren und die Reste des alten Regimes noch
so intensiv zusammen, dass die Gewalt gegenüber den Kopten nicht zu übersehen
ist.
Welche Ziele haben ihre Feinde?
Sie wollen die Menschen mit Zwang islamisieren und einen Gottesstaat errichten.

Bischof Anba Damian
Was kann man aus dem Ausland dagegen tun?
Man muss eine klare Sprache verwenden. So wie sich die Muslime
hierzulande entfalten können, so muss es auch möglich sein, dass die
Kopten in ihrer Heimat in Würde leben und nicht als minderwertige
Menschen.
Welche Rolle spielen die Christen beim
gesellschaftlichen Wandel?
Junge Kopten haben die Revolution erst ausgelöst.
Sie fing an, als die ägyptische Staatssicherheit ein koptisches Gemeindehaus
zerstörte, weil es zu einer Kirche umgebaut werden sollte. Dabei wurden 4
Menschen getötet und 140 festgenommen. Danach und nach dem Angriff auf eine
Kirche in der Neujahrsnacht in Alexandria mit 23 Toten gingen die Kopten auf
die Straße. Auch viele muslimische Sympathisanten machten mit. Nach der
Revolution in Tunesien ging es dann richtig los.
Können die Christen am neuen Ägypten mit bauen?
Sie müssen, denn sie gehören dazu. Im Augenblick werden sie zwar nur
geringfügig einbezogen, aber sie bilden bis zu 20 Prozent der
Bevölkerung. Das kann man nicht so einfach unter den Teppich kehren,
ihre Rechte darf man nicht ignorieren.